2008-07-29

Entlebuch und ein halbes Zebra

Entlebucher Guugger beschallen die Innenstadt von Köln

Der Escholzmatter Reto Stadelmann, der in Köln lebt und als freischaffender Komponist arbeitet, hat den Event 'Entlebuch und ein halbes Zebra' initiiert und organisiert. Rund 200 Entlebucher Guugger freuen sich auf ein einmaliges Erlebnis.


Kwaggawerk oder 'ein halbes Zebra' – fremde Ausdrücke auf den ersten Blick. Was haben sie zu bedeuten? Es hat etwas mit Kunst und schräger Show, aber auch mit Bereicherung der Musik und der Kunstszene zu tun. Reto Stadelmann, auf sommerlichem Urlaub in seinem Heimatdorf Escholzmatt, weiss mehr darüber zu berichten. Reto hat in Köln im Jahr 2006 das Kunstorchester 'Kwaggawerk' gegründet, das sich aus 42 Künstlern und Kulturschaffenden zusammensetzt und Musikspektakel für den öffentlichen Raum entwickelt.

„Nur sehr wenige der Mitglieder konnten vorher ein Instrument spielen. Die meisten lernten es durch den von mir geleiteten Gruppenunterricht“, erzählt Reto Stadelmann. Und alle haben Spass an lauter und energiegeladener Musik. Kwaggawerk trat seit der Gründung schon verschiedentlich fulminant in Erscheinung. Reto Stadelmann sieht Kwaggawerk im Rahmen einer Antwort auf die elitäre Haltung gewisser Kreise der Gegenwartsmusik. Selbst der so berühmte Carneval von Köln sei steif und stur, sagt Reto Stadelmann. Hier habe jedoch Kwaggawerk eine gute Plattform für die Präsentation einer neuen Bläserkultur gefunden. Die Provokation von Spass und das Musizieren auf unkomplizierte Art rüttle auf, stellt Reto Stadelmann fest.

entlebuch.kwaggawerk

Quagga, halb Zebra, halb Pferd
Schon lange geisterte im Kopf des innovativen, jungen Künstlers die Idee herum, einen Event mit Leuten aus dem Entlebuch in Köln zu realisieren. Als ehemaliger Tambour-Major der Ratteschwänz Escholzmatt liegen ihm natürlich die Guuggerklänge sehr am Herzen. So entwickelte er das Projekt „Entlebuch und ein halbes Zebra“. Was hat es mit dem halben Zebra auf sich? Quagga ist ein im 19. Jahrhundert ausgestorbenes „Mischtier“ aus halb Zebra und halb Pferd. Nach diesem Tier wurde das Kunstorchester benannt, wobei der Einfachheit halber Quagga in Kwagga umgewandelt wurde. So entstand auch der Name des Projektes: „Entlebuch und ein halbes Zebra“. Reto Stadelmann konnte die „Schonbachgusler“ Marbach, die „Änteguugger“ Escholzmatt, die „Ratteschwänz“ Escholzmatt sowie die „Fläckler“ Schüpfheim für den Event gewinnen.

Durch das Zusammentreffen der Schweizer Guggenmusigen mit den deutschen Künstlern soll der künstlerische Austausch zwischen den beiden Ländern angeregt werden und die kulturelle Attraktivität der Stadt Köln und der Schweizer Bergwelt Biosphäre Entlebuch gefördert werden.

Anarchische Klänge und Rhythmen
Die rund 200 Musiker aus dem Entlebuch werden zusammen mit dem Kunstorchester Kwaggawerk am Samstag, 2. August 2008, den öffentlichen Raum von Köln auf eine Weise bespielen, dass Musik und Theater, Tanz und Kunst miteinander verknüpft werden. In einem Sternenmarsch bewegen sich die fünf Bläserkapellen gleichzeitig durch die Stadt, von verschiedenen Punkten ausgehend und ein gemeinsames Ziel ansteuernd. Jedes der fünf Korps platziert eine Themenstellung zu Urbanisierung / Abwanderung, Integration und Ausgrenzung, weshalb die Entlebucher Guugger nicht in gewohnt fasnächtlichem Gewand auftreten, sondern passend zu dem ihnen vorgegebenen Thema. Das grosse Finale findet dann im Rheingarten, mitten in der Stadt Köln statt.

Vorfreude auf ein Abenteuer
Die Freude auf die Reise in die Karnevalshochburg Köln ist bei den Mitgliedern der Guuggenmusigen gross. Einige proben bereits eifrig auf den Auftritt. So zum Beispiel die Änteguugger. „Weil die meisten unserer Mitglieder nur in der Guuggenmusig ein Instrument spielen, brauchen wir mehr Proben als andere“, stellt Tambourmajor Markus Kaufmann fest. „Wegen der Ferienzeit können auch nicht alle mitfahren“, erklärt Präsident Ivan Portmann. So sind es 38 von den 53 Mitgliedern, die nach Köln kommen. Alle freuen sich und sind sehr gespannt auf das, was auf sie zukommt.

Auch bei den Fläcklern Schüpfheim stösst das Projekt auf grosse Begeisterung. Es sei eine einmalige Gelegenheit, sich an einem solchen Event im Ausland präsentieren zu dürfen, freut sich Präsident Patrik Odermatt.

Die Ratteschwänz Escholzmatt, welche in diesem Jahr das 30-Jahrjubiläum feiern können, hatten das Datum bereits seit einem Jahr für eine Jubiläumsreise reserviert. Nun ist es die passende Gelegenheit, diese mit dem Festival in Köln zu verbinden. Das werde bestimmt ein Höhepunkt in der Vereinsgeschichte, ist Präsident Iwan Jenny überzeugt.

Das 20-Jahrjubiläum feiern in diesem Jahr die Schonbachgusler Marbach. So wird die Reise nach Köln auch für sie eine Jubiläumsreise. Man freue sich sehr darauf und nehme auch den frühen Probebeginn – bereits im Juli, statt im November – gerne auf sich, erklärt Präsident Thomas Wigger.
Annalies Studer für Entleucher Anzeiger © 2008
/ mit freundlicher Genehmigung des Entleucher Anzeiger ( Print-Ausgabe vom 25.07.2008 )

|| Entlebuch und ein halbes Zebra
|| Schweizer Guggenmusik trifft Kunstorchester Kwaggawerk
|| 02. August 2008, 18-21 Uhr, Köln DE
:: entlebuch.kwaggawerk.de

:: KWAGGAWERK ist die Provokation des Guten / shortlist
tags : festival, kwaggawerk, music

2 Comments:

Anonymous czz said...

Offenbar liegt der rheinische Karneval Kölscher prägung doch nicht so weit entfernt von dessen alemannischer spielart : z' Basel hän wir die "Guggemusik" cha , offenbar die in sache wie wort der Kölnischen "Guuggenmusig" analogen chaosorchester mit selbstgebastelten instrumenten ...

freilich scheint es KWAGGA ( so isch das konzept recht verstehe ) auf eigene übernahme und interpretation von - in vereinsmeiernden karnevalsbünden und -clicken erstarrten - kulturellen praxen zu tun ....

8/04/2008  
Anonymous uh said...

Nachdem ich Geggen LIVE erlebt habe und den Kölschen Karneval recht bieder finde, denke ich, dass selbst das Rheinland erst für Geggenmusik erschlossen werden muss, aber da sind wir ja 'dran ... please, stay tuned, uh

8/14/2008  

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